Anpassungsstörung

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nur eine leichte Verstimmung?

„Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser werden wird, wenn es anders wird; aber soviel kann ich sagen: es muss anders werden, wenn es gut werden soll.“ G.C.Lichtenberg

Ich bin doch kein „Weichei“, keine „Memme“ nicht so ein „Schwächling“ werden wohl viele schon einmal gedacht haben bei der Diagnose „Anpassungsstörung“. Immer öfter werden wir selbst, oder aber auch im sozialen Umfeld, mit dieser vermeintlich harmlosen Diagnose konfrontiert. Wir alle haben in unserem Leben einschneidende Erlebnisse zu bewältigen und schaffen dies auch mehr oder weniger gut. Aber manchmal geschehen Dinge die uns so schockieren, dass nichts mehr so ist wie es mal war. Der sichere Boden auf dem wir so vertrauensvoll standen, ist plötzlich weg. Leere und Hoffnungslosigkeit bestimmen plötzlich unser Leben.

Unsere Reaktionen ist nicht vorhersehbar und geht über das normale Maß hinaus. Es kommt zu depressiver Stimmung, Angst und Besorgnis, die tägliche Routine die sonst so leicht von der Hand geht, wird zu Last und kann nicht mehr bewältigt werden. Vorauszuplanen, Probleme anzugehen, oder selbst das Essen wird unmöglich. Bei Kindern kommt es dabei häufig zur Regression, d.h. zu einer Rückentwicklung mit Einnässen, Daumenlutschen oder das zurückfallen in die Babysprache. Jugendliche oder junge Erwachsene werden auf einmal aggressiv oder verhalten sich plötzlich dissozial.

Zu diesen lebensverändernden Ereignissen, die individuell aber sehr verschieden sein können, gehören z.B. der Verlust des Arbeitsplatzes, Verrentung, Tod eines geliebten Menschen, Trennung oder Scheidung, Migration aber auch der Auszug der Kinder bzw. das Verlassen des Elternhauses, Heirat oder Elternschaft. Also auch die positiven Veränderungen, die für uns aber mit großer Unsicherheit einhergehen, können so ein schreckliches Ohnmachtsgefühl hervorrufen. Unsere Balance ist plötzlich völlig aus dem Gleichgewicht und das oft für uns selbst auch oft unvorstellbar.

„Wir kennen uns nie ganz, und über Nacht sind wir andere geworden“

Diese oft unterschätzte Störung, gleicht einem Drahtseilakt für alle Beteiligten. Der Umgang aber auch das Aushalten der Symptome ist alles andere als leicht. Zudem ist die Suizidgefahr hoch und macht so noch einmal die Schwere der Erkrankung deutlich.

Hier auf professionelle Hilfe zurückzugreifen ist oft unumgänglich, um zu einem erfülltem Leben zurückzukehren und/oder eine Chronifizierung zu vermeiden.

Oft reicht eine kurzfristige Krisenintervention zur emotionalen Entlastung aus. Ängste, Sorgen und Schuldgefühle können hier offen, ohne Wertung, ausgesprochen werden. Dadurch kommt es zu einem neuen, anderen Kontakt mit sich selbst, neue Wege können sich zeigen und begehbar werden. Es finden sich wieder Perspektiven die es sich lohnt anzusehen.

Die Integration des Erlebten in die eigene Lebensbiographie, mit dem versöhnlichem Rückblick aber auch mit einem positivem Blick in die Zukunft hier ein Ziel, das es zu erreichen gilt.

„Wann hast du eigentlich bemerkt, dass du fliegen kannst? „
„Das war als das Leben mir den Boden unter den Füßen weggezogen hat.“

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